Trans­pa­renz über Klima­berichterstattung im ÖRR

Sehen was läuft – Klima­berichterstattung im ÖRR im Fokus

Uns sind Fakten wichtig. Deshalb bildet die Analyse der aktu­ellen Klima­berichterstattung im öffent­lich-recht­li­chen Fern­seh­pro­gramm eine wich­tige Basis für unsere Arbeit. Unsere Daten­basis umfasst unter anderem die Bericht­erstat­tung von ARD und ZDF seit 2021, die wir täglich erwei­tern und mittels KI Analysen auswerten. Das Ergebnis: die Bericht­erstat­tung ist der Rele­vanz der Klima­krise nicht ange­messen und hat in den letzten Jahren sogar abge­nommen.

Die wich­tigste Erkenntnis: Die Bericht­erstat­tung ist unzu­rei­chend

Der öffent­lich-recht­liche Rund­funk hat laut Medi­en­staats­ver­trag den Auftrag, umfas­send und fakten­ba­siert über alle wesent­li­chen Lebens­be­reiche zu infor­mieren. Die Klima­krise betrifft jeden dieser Bereiche – sie ist kein Nischen­thema.

Doch unsere Daten zeigen: Die Bericht­erstat­tung wird dieser Verant­wor­tung nicht gerecht. Seit 2023 sinkt der Anteil der Klima­mi­nuten im Programm von ARD und ZDF Jahr für Jahr – auf den nied­rigsten Stand seit Beginn unserer Messungen. Ausge­rechnet in Zeiten, in denen Extrem­wet­ter­er­eig­nisse für Millionen Menschen unmit­telbar spürbar sind.

Wo Einord­nung fehlt, füllen Verharm­lo­sung und Desin­for­ma­tion die Lücke. Das hat reale Folgen – für poli­ti­sche Urteils­bil­dung, für Schutz­maß­nahmen und für kollek­tives Handeln. Die neusten Analysen findest du weiter unten auf dieser Seite.

Balkendiagramm: Der Anteil der Klimaminuten am Gesamtprogramm von Das Erste und ZDF hat sich seit 2023 mehr als halbiert – von 2,20 und 1,95 Prozent auf 0,95 und 0,82 Prozent im ersten Halbjahr 2026.

Unsere Analysen

Die Daten spre­chen eine deut­liche Sprache. Um mehr Aufmerk­sam­keit auf sie zu lenken haben wir das Format „Medien-Klima­be­richt“ ins Leben gerufen. In regel­mä­ßigen Abständen veröf­fent­li­chen wir an dieser Stelle weiter­ge­führte Zeit­reihen und eine Einord­nung der Bericht­erstat­tung der vergan­genen Monate.

Medien-Klima­be­richt Nr. 1

Die monat­liche Auswer­tung der Klima­berichterstattung von ARD und ZDF – Analysen, Zahlen und Einord­nung als PDF.

KI gestützt und Real-Time – unsere Methode zur Programm­aus­wer­tung des ÖRR

Unsere Analyse basiert auf einem auto­ma­ti­sierten Verfahren, das wir konti­nu­ier­lich weiter­ent­wi­ckeln. Wir schneiden das Programm von Das Erste und ZDF täglich mit und zerlegen es in einmi­nü­tige Segmente. Die Tonspur jedes Segments wird auto­ma­tisch tran­skri­biert und anschlie­ßend nach klima­be­zo­genen Begriffen durch­sucht – von „Klima­krise“ bis „Treib­haus­gase“.

Das Verfahren arbeitet mit einer Genau­ig­keit von 94 % und einer Tref­fer­quote von 89 %. Falsch-posi­tive Treffer wie „Klima­an­lage“ oder „Wirt­schafts­klima“ werden auto­ma­tisch heraus­ge­fil­tert. Bei konkreten Ereig­nissen – etwa Hitze­wellen – prüfen wir zusätz­lich ein erwei­tertes Begriffs­spek­trum, um auch Einord­nungen ohne das Wort „Klima“ zu erfassen.

So entsteht eine tages­ak­tu­elle, belast­bare Daten­basis. Sie ist die Grund­lage für fakten­ba­sierte Debatten darüber, wie der ÖRR seinem Infor­ma­ti­ons­auf­trag gerecht wird – und wo er es nicht tut.

Du hast weitere Fragen zu den Analysen oder der Methodik? Unser Pres­se­team steht dir zur Verfü­gung:

Programm­beschwerden – Wenn neben Quan­tität auch Qualität nicht stimmt

Es kommt immer wieder vor, dass Beiträge durch Zusam­men­schnitte oder verkürzte Darstel­lungen unseren Maßstäben für guten Klima­jour­na­lismus nicht entspre­chen. Es gibt auch objek­tive Stan­dards für öffent­lich-recht­liche Rund­funk­an­stalten. Diese verbind­li­chen Anfor­de­rungen werden im Medi­en­staats­ver­trag defi­niert: Die Bericht­erstat­tung muss unab­hängig, sach­lich und fakten­ba­siert gestaltet werden. Dies gilt natür­lich auch für Klima­berichterstattung. Es gab in den letzten Jahren immer wieder Inhalte, die unserer Ansicht nach gegen diese Anfor­de­rungen verstoßen haben. In diesen Fällen haben wir unser Recht genutzt Programm­beschwerden einzu­rei­chen. So mussten die Verant­wort­li­chen Rechen­schaft dazu ablegen.

Programm­be­schwerde an den HR

In der Sendung „Wirt­schaft vor acht“ vom 28.03.25 hieß es, neue Kern­kraft­werke seien ein wesent­li­cher Treiber des welt­weiten Leis­tungs­zu­wachses – tatsäch­lich stammten 2024 laut IRENA 92 Prozent des Zuwachses aus Erneu­er­baren.

Programmbeschwerde, Lokalzeit aus Köln vom 25 Januar 2023 (Screenshot)

Programm­be­schwerde an den WDR

Im WDR-Beitrag „Riesen-Solar­parks in Garz­weiler und Greven­broich“ vom 25. Januar 2023 kommen ausschließ­lich RWE-Mitar­bei­tende zu Wort – Braun­koh­le­ver­stro­mung und der Rückbau von Wind­kraft­an­lagen für den Tagebau bleiben uner­wähnt.

Du hast Fragen oder möchtest weitere Informationen?

Wir haben eine große Datenbasis, auf der unsere Analysen beruhen. Gerne beantworten wir weiterführende Fragen und diskutieren mögliche neue Auswertungen!