Transparenz über Klimaberichterstattung im ÖRR
Sehen was läuft – Klimaberichterstattung im ÖRR im Fokus
Uns sind Fakten wichtig. Deshalb bildet die Analyse der aktuellen Klimaberichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm eine wichtige Basis für unsere Arbeit. Unsere Datenbasis umfasst unter anderem die Berichterstattung von ARD und ZDF seit 2021, die wir täglich erweitern und mittels KI Analysen auswerten. Das Ergebnis: die Berichterstattung ist der Relevanz der Klimakrise nicht angemessen und hat in den letzten Jahren sogar abgenommen.
Die wichtigste Erkenntnis: Die Berichterstattung ist unzureichend
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat laut Medienstaatsvertrag den Auftrag, umfassend und faktenbasiert über alle wesentlichen Lebensbereiche zu informieren. Die Klimakrise betrifft jeden dieser Bereiche – sie ist kein Nischenthema.
Doch unsere Daten zeigen: Die Berichterstattung wird dieser Verantwortung nicht gerecht. Seit 2023 sinkt der Anteil der Klimaminuten im Programm von ARD und ZDF Jahr für Jahr – auf den niedrigsten Stand seit Beginn unserer Messungen. Ausgerechnet in Zeiten, in denen Extremwetterereignisse für Millionen Menschen unmittelbar spürbar sind.
Wo Einordnung fehlt, füllen Verharmlosung und Desinformation die Lücke. Das hat reale Folgen – für politische Urteilsbildung, für Schutzmaßnahmen und für kollektives Handeln. Die neusten Analysen findest du weiter unten auf dieser Seite.

Unsere Analysen
Die Daten sprechen eine deutliche Sprache. Um mehr Aufmerksamkeit auf sie zu lenken haben wir das Format „Medien-Klimabericht“ ins Leben gerufen. In regelmäßigen Abständen veröffentlichen wir an dieser Stelle weitergeführte Zeitreihen und eine Einordnung der Berichterstattung der vergangenen Monate.
Medien-Klimabericht Nr. 1
Die monatliche Auswertung der Klimaberichterstattung von ARD und ZDF – Analysen, Zahlen und Einordnung als PDF.
KI gestützt und Real-Time – unsere Methode zur Programmauswertung des ÖRR
Unsere Analyse basiert auf einem automatisierten Verfahren, das wir kontinuierlich weiterentwickeln. Wir schneiden das Programm von Das Erste und ZDF täglich mit und zerlegen es in einminütige Segmente. Die Tonspur jedes Segments wird automatisch transkribiert und anschließend nach klimabezogenen Begriffen durchsucht – von „Klimakrise“ bis „Treibhausgase“.
Das Verfahren arbeitet mit einer Genauigkeit von 94 % und einer Trefferquote von 89 %. Falsch-positive Treffer wie „Klimaanlage“ oder „Wirtschaftsklima“ werden automatisch herausgefiltert. Bei konkreten Ereignissen – etwa Hitzewellen – prüfen wir zusätzlich ein erweitertes Begriffsspektrum, um auch Einordnungen ohne das Wort „Klima“ zu erfassen.
So entsteht eine tagesaktuelle, belastbare Datenbasis. Sie ist die Grundlage für faktenbasierte Debatten darüber, wie der ÖRR seinem Informationsauftrag gerecht wird – und wo er es nicht tut.
Du hast weitere Fragen zu den Analysen oder der Methodik? Unser Presseteam steht dir zur Verfügung:
Programmbeschwerden – Wenn neben Quantität auch Qualität nicht stimmt
Es kommt immer wieder vor, dass Beiträge durch Zusammenschnitte oder verkürzte Darstellungen unseren Maßstäben für guten Klimajournalismus nicht entsprechen. Es gibt auch objektive Standards für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten. Diese verbindlichen Anforderungen werden im Medienstaatsvertrag definiert: Die Berichterstattung muss unabhängig, sachlich und faktenbasiert gestaltet werden. Dies gilt natürlich auch für Klimaberichterstattung. Es gab in den letzten Jahren immer wieder Inhalte, die unserer Ansicht nach gegen diese Anforderungen verstoßen haben. In diesen Fällen haben wir unser Recht genutzt Programmbeschwerden einzureichen. So mussten die Verantwortlichen Rechenschaft dazu ablegen.

Programmbeschwerde an den NDR
Die Tagesschau verbreitete widerlegte Falschinfo über EU-Gelder für Umweltaktivisten – wir beschweren uns beim NDR-Rundfunkrat.

Programmbeschwerde an den HR
In der Sendung „Wirtschaft vor acht“ vom 28.03.25 hieß es, neue Kernkraftwerke seien ein wesentlicher Treiber des weltweiten Leistungszuwachses – tatsächlich stammten 2024 laut IRENA 92 Prozent des Zuwachses aus Erneuerbaren.

Programmbeschwerde an den WDR
Im WDR-Beitrag „Riesen-Solarparks in Garzweiler und Grevenbroich“ vom 25. Januar 2023 kommen ausschließlich RWE-Mitarbeitende zu Wort – Braunkohleverstromung und der Rückbau von Windkraftanlagen für den Tagebau bleiben unerwähnt.