Programm­be­schwerde an den WDR

(Februar 2023)

Unsere Programm­be­schwerde an den Inten­danten des WDR, Tom Buhrow, im Wort­laut:

Programm­be­schwerde: Beitrag „Riesen-Solar­parks in Garz­weiler und Greven­broich“ von Andreas Turnsek, gesendet in den „Lokal­zeit aus Köln“ am 25. Januar 2023 (Minute 17:35 – 21:10) und unter anderem veröf­fent­licht in der ARD-Media­thek.

Sehr geehrter Herr Buhrow,

mit Befremden haben wir den Beitrag zum Erneu­er­bare-Ener­gien-Projekt von RWE “Riesen-Solar­parks in Garz­weiler und Greven­broich” gesehen.

Der Bericht miss­achtet das Gebot der jour­na­lis­ti­schen Ausge­wo­gen­heit und verfehlt das Ziel, umfas­send, unab­hängig und sach­lich zu infor­mieren. Damit verstößt er gegen § 5 Abs. 5 und Abs. 6 des WDR-Gesetzes. Außerdem verletzt er die WDR-Programm­richt­li­nien gemäß § 4a WDR-Gesetz. Deswegen reichen wir hiermit eine förm­liche Programm­be­schwerde ein.

Zur Kritik im Einzelnen:

In dem Bericht kommen ausschließ­lich RWE-Mitar­bei­tende zu Wort. Das miss­achtet das Gebot der jour­na­lis­ti­schen Ausge­wo­gen­heit und wider­spricht der jour­na­lis­ti­schen Fair­ness (§ 5 Abs. 5 WDR-Gesetz). Außerdem verstößt es gegen die WDR-Programm­richt­li­nien, in denen es heißt: “Der WDR infor­miert unab­hängig und über­par­tei­lich. Wir berichten wahr­haftig, fair und kompe­tent. Wir sind keiner Konflikt­partei verpflichtet und hören immer auch die Gegen­seite. Wir nutzen viel­fäl­tige Quellen und prüfen ihre Vertrau­ens­wür­dig­keit.”

Der Bericht vermeidet es zudem in fahr­läs­siger Weise, die Geschäfts­zweige von RWE im Bereich der erneu­er­baren Ener­gien mit der Strom­erzeu­gung aus fossiler Energie – insbe­son­dere der Braun­koh­le­ver­stro­mung – ange­messen, neutral und kritisch ins Verhältnis zu setzen. Der Bericht fokus­siert insge­samt einseitig auf einen der klei­neren Geschäfts­be­reiche von RWE, den erneu­er­baren Ener­gien. Damit verstößt der Bericht gegen § 5 Abs. 5 des WDR-Gesetzes (“Der WDR soll in seiner Bericht­erstat­tung ange­mes­sene Zeit für die Behand­lung kontro­verser Themen von allge­meiner Bedeu­tung vorsehen”) und § 5 Abs. 6 (“allge­mein, unab­hängig und sach­lich”).

Ebenso wird nicht erwähnt, dass zugunsten des Braun­koh­le­ab­baus seit einigen Monaten ein Rückbau erneu­er­barer Ener­gien vor Ort statt­findet. Während im Bericht die Rede von drei neu gebauten Wind­kraft­an­lagen ist, werden tatsäch­lich bis 2024 acht Wind­kraft­an­lagen im glei­chen Gebiet demon­tiert werden, um den Braun­koh­le­abbau zu ermög­li­chen. Damit verstößt der Bericht gegen das Gebot zur wahr­heits­ge­mäßen Bericht­erstat­tung (§ 5 Abs. 6 WDR-Gesetz).

Insge­samt entsteht durch diese einsei­tige und unkri­ti­sche Darstel­lung ein tenden­ziöser und werb­li­cher Charakter des Beitrags. Er bietet weder eine thema­ti­sche Einord­nung noch ist ein aktu­eller Anlass zur Bericht­erstat­tung erkennbar. Die zeit­liche Nähe zu der Bericht­erstat­tung über die Räumung Lützer­aths lässt aller­dings vermuten, dass RWE ein großes Inter­esse an posi­tiver Bericht­erstat­tung hatte und die Redak­tion für PR-Zwecke einge­spannt haben könnte.

Mehr­fach werden in dem Beitrag die WDR-Programm­richt­li­nien verletzt, die sich einem “regio­nalen Quali­täts­jour­na­lismus” verpflichten und in denen es heißt: “Wir können Unter­nehmen auch kritisch darstellen, da wir nicht von Werbung abhängig sind. Allein jour­na­lis­ti­sche Krite­rien und erfolg­reiche Recher­chen sind maßge­bend dafür, welche Themen behan­delt werden.”

Wir fordern Sie dazu auf, zu diesem Sach­ver­halt Stel­lung zu nehmen und bitten um eine geson­derte Antwort zu der von uns vorge­brachten Beschwerde.
 
Mit freund­li­chem Gruß
 
Frie­de­rike Mayer (1. Vorsit­zende) Daniel Kulms (Vorstands­mit­glied)

Wir haben eine Antwort vom WDR erhalten!

Die Antwort von Tom Buhrow könnt ihr hier lesen.

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/191047/umfrage/stromerzeugung-bei-rwe-nach-energietraeger/

Im WDR-Beitrag „Riesen-Solarparks in Garzweiler und Grevenbroich“ vom 25. Januar 2023 kommen ausschließlich RWE-Mitarbeitende zu Wort – Braunkohleverstromung und der Rückbau von Windkraftanlagen für den Tagebau bleiben unerwähnt.

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